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Bilingual

Zum Abschluss

10 Thesen zum bilingualen Unterricht im Fach Geschichte

(StD Hans Woidt, Studienseminar Tübingen)

  1. Entstehung und Entwicklung des bilingualen Unterrichts sind eng mit dem europäischen Integrationsprozess nach dem II. Weltkrieg verbunden. Er ist eine Antwort des Geschichts- und Fremdsprachenunterrichts auf die Herausforderungen des zusammenwachsenden Europa.
  2. Die ersten deutsch-französischen Züge an deutschen Schulen waren „Kinder des deutsch-französischen Kooperationsvertrags“ von 1963. „Die Sprache des Nachbarn lernen“ sollte vor allem zum vertieften Verständnis des Nachbarlandes führen und zur Versöhnung zwischen Frankreich und Deutschland beitragen.
  3. Eine weitere wichtige Etappe stellte in diesem Zusammenhang der Vertrag von Maastricht dar (1992). Angesichts der verstärkten politischen und wirtschaftlichen Integration stellte sich die Schule die Aufgabe noch nachdrücklicher als bisher, die Jugendlichen auf ihre Rolle in Europa vorzubereiten.
  4. Der bilinguale Unterricht stellt eine der wichtigsten Innovationen des Fremdsprachenunterrichts in den vergangenen Jahren dar. Er trägt unbestritten zur Erweiterung der kommunikativen Kompetenz in der Fremdsprache bei. Diese ist jedoch nur Teilziel des Unterrichts.
  5. Im Zentrum des bilingualen Unterrichts steht die Vermittlung „der Sache“. Die Sprache ist nicht mehr expliziter Lerngegenstand, sondern Arbeitsmittel für mit-teilungsbezogene Kommunikation.
  6. Der bilinguale Unterricht schließt den Gebrauch der Muttersprache – vor allem in den unteren Klassen – nicht aus. Am Ende des Ausbildungsgangs sollen die Schülerinnen und Schüler eine bilinguale Kompetenz in dem jeweiligen Sachfach erreicht haben.
  7. Der bilinguale Unterricht ist mehr als ein verlängerter Fremdsprachenunterricht. Er will „bilinguale Kompetenz“ vermitteln und „interkulturelles Lernen“ fördern.
  8. Das Fach Geschichte ist wegen seiner offenkundigen thematischen Nähe für den bilingualen Unterricht besonders geeignet und gehört in der „bilingualen Praxis“ auch deshalb zu den wichtigsten Sachfächern.
  9. Der bilinguale Unterricht trägt zum Aufbau eines kritischen Europabewusstseins bei, ohne dass die zunehmende europäische Integration nicht denkbar ist. Die Betrachtung der europäischen Geschichte „aus der Perspektive der anderen“ wirkt gleichzeitig einer drohenden Instrumentalisierung des Geschichtsunterrichts entgegen.
  10. Der bilinguale Geschichtsunterricht stellt eine besonders enge Form der Fächerver-bindung dar. Dies erfordert ein entsprechend flexibles Eingehen der beiden Fächer aufeinander. So verhindern z.B. übertriebenen Akribie in historischen Detailfragen oder sprachliche Pedanterie die Verwirklichung der angestrebten Ziele. „Bilinguale Behutsamkeit“ ist da allemal zuträglicher!

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