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Stoffverteilungsplan Klasse 8

Matthias Kremer

 

Eine völlig neue Situation

Mit der Umstellung von Lehrplänen auf Standards kommt auf uns Chemielehrerinnen und -lehrer eine weitere bedeutende Änderung zu: Der Beginn des Chemieunterrichts findet in der Regel ein Jahr früher statt. Dies kann nicht ohne Konsequenzen auf die Unterrichtsgestaltung bleiben. Nach allen Erfahrungen sind die Schülerinnen und Schüler der 8. Klasse mit Herleitungen und eher abstrakten Denkoperationen schneller überfordert als Schülerinnen und Schüler der 9. Klasse. Trotzdem soll in diesem Schuljahr das Fundament für einen niveauvollen, gymnasialen Chemieunterricht gelegt werden.

Gleichzeitig sollte die Bedeutung der Chemie im Alltag, in der Lebenswelt der Schülerinnen und Schüler und der Bezug zu anderen Fächern noch stärker als bisher betont werden. Einiges Vorwissen, wie z. B. über Trennverfahren von Gemischen, kann aus dem Naturphänomene-Unterricht vorausgesetzt werden. Außerdem sind wir Lehrerinnen und Lehrer der naturwissenschaftlichen Fächer gehalten, intensiver miteinander zu kooperieren, indem wir zu Inhalten aus den anderen Fächern immer wieder Bezüge herstellen. Eine Absprache über gemeinsam verwendete Begriffe ist dabei unabdingbar.

 

Ein Vorschlag

Der folgende Vorschlag für einen Unterrichtsgang in der 8. Klasse versucht, diesen Forderungen und der geänderten Situation gerecht zu werden:

1. Es gibt kein Einleitungskapitel zu Gemischen und ihren Trennverfahren. Die in den Standards verlangten Fachbegriffe werden an geeigneten Beispielen im Lauf des Schuljahres eingeführt. Stattdessen beginnt der Unterricht gleich „mit richtiger Chemie“, die am Schuljahresende wieder aufgegriffen wird.

2. Formeln werden nicht induktiv erschlossen, sondern aus einem „erweiterten DALTON-Modell“ abgeleitet. Dies führt zu der Mitteilung: Alle Teilchen sind bei Raumtemperatur und normalem Druck aus zwei oder mehreren (veränderten) Atomen aufgebaut, auch Elemente (mit ganz wenigen Ausnahmen, etwa eine Handvoll). Die Formeln geben die Zusammensetzung der Teilchen aus den Atomen an.

Zunächst wird einfach der Umgang mit Formeln eingeübt, wobei experimentelle Bestätigungen der angestellten Überlegungen nicht weggelassen werden dürfen.

3. Beim Themengebiet „Luft“ bieten sich Querbezüge zum Fach Biologie an, was durch Schüler-Referate realisiert werden kann.

4. Das Stoffmengen-Konzept und der größte Teil der Stöchiometrie muss auf spätere Klassen verschoben werden, zugunsten einer stärkeren Beteiligung der Schüler an der Erarbeitung der Unterrichtsinhalte.

5. Außerdem sollte immer wieder Zeit zum Üben und Wiederholen gegeben werden. Wichtig finde ich auch, am Ende eines Kapitels oder zumindest am Schuljahresende zusammen zu stellen, welche Fragen im Unterricht noch nicht geklärt wurden. Damit bekommt der Unterricht über die Jahre hinweg einen inneren Zusammenhang, aber auch der eigene Wissens- und Kompetenz-Zuwachs wird den Schülerinnen und Schülern deutlicher.

Bisher wurden Teile des Vorschlags in einer Klasse 8 und in einer Klasse 9 ausprobiert. Dabei habe ich festgestellt, dass die Einheiten mit höherer Schülerbeteiligung leichter zu unterrichten waren und effizienter waren. Somit ist dem Grundanliegen der neuen Bildungsstandards Rechnung getragen, zusammen mit der Fachkompetenz auch die personale Kompetenz und die Methoden-Kompetenz zu stärken. Phasen mit verschiedenen Arten von Gruppenarbeit sollen zur Stärkung der sozialen Kompetenz beitragen. Bei der Planung bin ich von circa 65 Stunden Unterricht ausgegangen, wobei 18 - 20 Stunden dem Schulcurriculum (S) entnommen sind. Erst in der realen Erprobung lassen sich die tatsächlich benötigten Stundenzahlen ermitteln.

Ziele und Wege, die bei der Erarbeitung dieses Stoffverteilungsplanes im Vordergrund standen:

übergeordnete Ziele

Methode

Bestätigung der Erwartungen an ein neues Fach mit neuen Inhalten

Einstieg durch „richtige“ Chemie
(Natrium als faszinierender, unbekannter Stoff)

keine fertige Darlegung von Fachstrukturen

Auffindenlassen von Fachstrukturen (z. B. Trennverfahren und Reaktionen nicht nacheinander behandeln)

tieferes Verständnis für abstrakte Vorstellungen

mehr Verbalisierung
(Texte verfassen "aus Teilchensicht")

schnellerer Zugang - Lernen durch ständigen Umgang

Verzicht auf langwierige Herleitungen – weniger Induktion, mehr Deduktion
(z. B. frühe Mitteilung von Formeln als Teilchensymbole)

Stärkung der personalen, sozialen und methodischen Kompetenz;
Erleichterung der Auseinandersetzung mit Fachinhalten

Betonung von Schüleraktivität (Lernzirkel, Spiele ...) im Chemieunterricht

Erkenntnis als Ergebnis langwieriger Denkprozesse

historisch problemorientierter Unterricht (Teilchenvorstellung aus der Antike)

Vernetzung mit anderen Fächern und mit der Lebenswelt

Einbeziehung von Biologie und Organischer Chemie
(beim Thema Verbrennungen)

  

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